Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. 

2. Timotheus 3,16


Monatsspruch Februar




Ist die Bibel Gottes Wort?

 

Ich war noch nicht lange im Dienst. Wir hatten einen schönen Familiengottesdienst gefeiert. Es gab gute Rückmeldungen. Da kam eine ältere Frau auf mich zu: Sie hätte Mühe gehabt, sich auf meine Predigt zu konzentrieren. Denn nach dem Lesen des Predigttextes hätte ich die Bibel wieder zugeschlagen und auf die Kanzel gelegt. Wie sollte denn dann Gottes Wort zu mir sprechen? 

Mir leuchtete dies sofort ein. Ich glaube, es war damals ein rein praktischer Grund. Die zugeschlagene Bibel lag einfach sicherer auf dem schmalen Rand der Kanzel. Nie wieder habe ich das gemacht. Immer, in jedem Gottesdienst liegt bei mir die geöffnete Bibel. Sowohl auf dem Altar als auch auf der Kanzel. Die geöffnete Bibel  - damit Gott zu mir und durch mich sprechen kann. Die Bibel ist also Gottes Wort. Einerseits.

 

Andererseits wissen wir natürlich, dass die Bibel von Menschen geschrieben wurde. Die Bibel ist eine Bibliothek mit über 60 Büchern, von verschiedenen Menschen zu verschiedenen Zeiten geschrieben. Erzählungen wurden überliefert, gesammelt, aufgeschrieben und in einen Zusammenhang gestellt. Dabei ist die eigene Wahrnehmung und Deutung mit eingeflossen. 

 

Was heißt das nun, wenn wir im Monatsspruch Februar lesen: Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der

Gerechtigkeit. 2. Timotheus 3,16

 

Für mich ist das kein Widerspruch. Sondern genauso verstehe ich die Bibel: Sie ist Gottes Wort von Menschen geschrieben. Bei allen historischen Berichten, Liedern, Gebeten, Evangelien, prophetischen Briefen – es geht immer um Gott. Um Erfahrungen und Begegnungen mit Gott. Um Zeugnisse, wie Gott in Leben hineinwirkt, verändert, hilft und heilt. Die Bibel ist kein verstaubtes altmodisches Buch. Wenn ich Gott suche, bin ich gut beraten, in die Bibel zu schauen und zu staunen, wie aktuell sie ist. Die alten Texte helfen mir, Gottes Willen zu tun, sie weisen mich zurecht und geben mir Orientierung. Oft nützen sie mir und helfen bei schwierigen Entscheidungen. Durch Trostworte tröstet mich Gott. Wenn mir die Worte fehlen, bete ich mit Worten, in denen Gott schon durch andere Menschen gesprochen hat. 

 

In vielen Häusern gibt es eine Bibel. Vielleicht schlagen wir unsere Lieblingsbibelstelle auf und klappen sie mal nicht wieder zu. Mal schauen, welche Erfahrungen wir dadurch mit Gott machen. 

 

Kerstin Griesing, Gemeindepädagogin im Nachbarschaftsraum
"Evangelisch in Dautphetal"









Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. 

Markus 16,6


Monatsspruch März




Er ist nicht hier !?

Die Frauen. Die Guten.  Die Treuen.  Die Unerschrockenen. Die die sieben Sinne beieinander haben, während die Männer (konkret: die Jünger) einfach nur von der Rolle sind, völlig durch den Wind. Die Frauen. Ohne die nichts lief und nichts läuft. Und das war schon so, als von Kirche noch nicht die Rede war, noch gar nicht die Rede sein konnte. Ein trauriger Morgen. Und sie machen sich beherzt auf den Weg.

Sie haben unter dem Kreuz gestanden. Sich von niemandem zur Seite schieben, von niemandem wegdrängen lassen. So standen sie da: ein einziges großes Mahnmal. Dass nicht recht ist, was hier geschieht. Dass nicht recht sein kann, was hier geschieht. Der Unschuldige - verurteilt, ausgelacht, verspottet, gefoltert, ums Leben gebracht. Die Frauen - ein einziger Aufschrei. Selbst, wenn sie tatsächlich mehr in sich hinein geweint haben sollten.

Sie sind die Zeuginnen.  Sie, die das damalige Recht als Zeugen gar nicht kennt. Sie haben das Entscheidende mitbekommen: Jesu Tod und seine Bestätigung, die Abnahme des Leichnams vom Kreuz, die Grablegung. Sie wissen übermorgen, wenn der Sabbat Karsamstag vorbei ist, wohin sie die Schritte lenken müssen. Trauerarbeit: den Leichnam einölen, balsamieren. Um leben, um Überleben zu können mit dem, was nicht zu fassen ist.

Ein Felsengrab in einem Garten. Mit einem riesigen Verschlussstein. Wären da nicht Helfer von Nöten, den weg zu wälzen? Daran, ausgerechnet daran haben sie am Sonntag, am Tag nach dem Sabbat, nicht gedacht.  Und sehen: das Grab ist offen, der Stein weggewälzt. Der gesunde Menschenverstand sieht für so einen Fall Panik vor. Grabräuber, pietätlose Gesellen. Jetzt; liebe Frauen, weg. Nichts wie weg!

Aber sie drehen nicht um. Sie laufen nicht weg. Sie setzen ihren Weg fort: bis sie am Ziel sind. Unerschrocken? Oder unbeteiligt, wie in Trance? Wer weiß ... Im Grab erwartet sie eine weiße Gestalt. Nicht Jesus. Ein Engel. Ein Bote Gottes. Einer, der ganz genau weiß, wen sie suchen - und hier nicht finden werden.  "Fürchtet euch nicht", sagt ein Engel, um sich bei furchtsamen Menschen Gehör zu verschaffen. "Entsetzt euch nicht": dieser Engel legt noch eine Schippe nach. Weil wir hier in einem Zwischenreich sind. Einem von Leben und Tod.

Der Gekreuzigte ist auferstanden. Auch als der Auferstandene wird er an den Wunden zu erkennen sein. Aber jetzt heißt es nur:  "Er ist nicht hier. Und es tut weh. Weil die Worte, die begründen sollen, warum er nicht hier ist, einem Engel eingehen mögen. Aber einem Menschen aus Fleisch und Blut? Der vor allem eine unwiderrufliche Grenze kennt: die zwischen Leben und Tod?

Hut ab, ihr Frauen! Ihr habt das Entsetzen unter die Füße bekommen. Ihr habt den Jüngern gesagt: "Er ist euch vorausgegangen - nach Galiläa. Ihr werdet ihn sehen." Ihr habt gezittert dabei. Die Stimme hat euch versagt. Und doch seid ihr Botinnen gewesen. Das, was man euch nicht zugestanden hat: Zeuginnen. Und dann - es hat eine Weile gedauert - waren sie da: die Osterfreude, das 0sterlachen. Und nahmen die Herzen ein:  eure, die der Jünger, die unseren!!!



Rüdiger Jung, Pfarrer im Kirchspiel Dautphe













Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt. 

1. Petrus 3,15


Monatsspruch April




„Du bist in der Kirche?! Aha… warum das denn?“ fragte mich einmal ein weiblicher Gast auf einer Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Freundin. Es war recht offensichtlich, dass sie nicht zu den Menschen gehörte, die viel Kontakt zu Kirche oder Christ:innen hatte. Eher so hedonistische, alternative Punk-Szene nach meiner ersten Einschätzung. Später stellte sich heraus, dass sie als Modell für Fetischkleidung arbeitete. Leider kann ich mich nicht mehr an meine Antwort auf ihre Frage erinnern. Für mich, der sich überwiegend in christlichen Bubbles bewegt, sind solche Fragen eher irritierend. Selten muss ich – wie es der Monatsspruch sagt – Rechenschaft über meine Hoffnung, meinen Glauben oder meine Zugehörigkeit zur Kirche ablegen. Denn wer sich mit Gleichgesinnten umgibt, muss seine Überzeugungen nicht hinterfragen.

Diese werden erst dann durchgerüttelt, wenn ich Kontakt zu „Außenstehenden“ habe. Menschen, die sich vom Glauben und Kirche aus verschiedensten Gründen entfernt haben. Sei es aus finanziellen Gründen, Kritik angesichts der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit (z.B. Missbrauchsskandale), Entfremdung oder schlichtem Verneinen göttlicher Existenz. Im Kontakt mit Anders-Denkenden wird die eigene Hoffnung, der eigene Glaube hinterfragt.

Das mag für manche bedrohlich sein. Es stecken aber aus meiner Sicht vor allem Chancen darin: 

Man lernt die Lebensthemen und -fragen der Menschen kennen. M. Landau, Präsident der Caritas, formuliert provokativ: Kirche antwortet „viel zu oft auf Fragen, die ihr niemand mehr stellt und antwortet nicht auf Fragen, die ihr gestellt werden.“ (Online-Artikel auf katholisch.de vom 29.09.23) Ein Einlassen auf die Fragen von Kirchenfernen ermöglicht den Glauben mit den Menschen zu erkunden.

Dadurch wird man sich seiner eigenen Hoffnung gewisser. Vielleicht wird es vorübergehend Irritationen geben, wo bisherige Überzeugungen sich nicht als tragfähig erweisen. Doch im gemeinsamen Suchen nach Antworten auf neue Fragen – so auch meine eigene Erfahrung – wird der Glaube meist vertieft. 

Das Ergebnis ist ein mündiger Glaube, der sich von (kritischen) Fragen nicht irritieren lässt, sondern stets bereit ist, jedem Rede und Antwort zu stehen, der Rechenschaft über die Hoffnung fordert, die uns erfüllt. 

Daher möchte ich euch – und auch mich – dazu ermutigen, sich kritischen Fragen zu stellen.

 

Robin Feldhaus, Gemeindepädagoge













Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. 

1. Korinther 6,12


Monatsspruch Mai




Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben bestimmt in unserer Jugend einmal Dinge getan, von denen wir im Nachhinein genau sehen, dass sie uns nicht gut getan haben. Es sind Dinge, die uns innerlich wehtun und die wir niemals mehr vergessen. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich zum ersten Mal einen Horrorfilm geschaut habe. Wochenlang habe ich die schlimmen Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Ich spürte Erschrecken und Angst davor, was ich gesehen hatte. Es war mir natürlich erlaubt, diesen Film zu schauen, aber er tat mir letztendlich nicht gut. Auch der Apostel Paulus greift im 1. Korintherbrief dieses Thema auf: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.“

Das ist erst einmal eine großartige Botschaft: Alles ist mir erlaubt. Es zwängt mich nichts ein. Ich darf mich frei entwickeln. Diese Freiheit garantiert Gott seinen Kindern. Dem verlorenen Sohn in Lukas 15 wird auch alle Freiheit gewährt. Doch tat ihm diese Freiheit gut? Auch er musste sich mit Erinnerungen plagen, die er bestimmt loswerden wollte.

Im Hinblick auf meine Freiheit muss ich mir immer wieder die Frage stellen: Dient das, was ich tun möchte, zum Guten oder nicht? Denn böse Dinge machen uns unfrei. Die Bilder eines Horrorfilms hatten Macht über mich, denn ich wurde sie nicht mehr los. Der Apostel Paulus stellt in seinen Briefen viele Lebensregeln auf, die den zwischenmenschlichen Bereich betreffen. Paulus ist nicht „spießig“. Er möchte uns bestimmte Dinge nicht verbieten. Er möchte uns auch den „Spaß“ nicht verderben. Aber Paulus sieht, genau wie Petrus, dass manche Freiheiten nur der „Deckmantel der Bosheit“ (1 Petr 2,16) sind und Menschen verletzen können. Gerade auch die sexuellen Freiheiten seit den 1970er Jahren kamen oft als Deckmantel der Bosheit daher – denken wir nur an die Päderasten, die mehr „Freiheit“ im Umgang mit Kindern und Sexualität forderten. Die Schattenseiten und Folgen kommen teilweise erst heute zum Vorschein.

Wenn Paulus vom Guten spricht, hat er denjenigen vor Augen, der das absolute Gute ist: Jesus Christus. Um zu wissen, was gut ist, hilft uns Jesus – durch das Gebet und durch die Evangelien. Dort lesen wir, wie Jesus lebte und was ihm wichtig war. Folgen wir Jesus nach, dann werden wir wirklich frei. Alles andere führt zu bösen Abhängigkeiten.

Felix Heinz, Pfarrer in Holzhausen und Herzhausen