„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.“

 

(Hoheslied 8,6)



Monatsspruch  Juni 2022 

 


Kann Liebe sogar stärker sein als der Tod? Man sagt, die Liebe zu einem Menschen überdauert, auch wenn er schon tot ist. Aber das ist meines Erachtens hier nicht gemeint. Wenn man sich das Buch anschaut, aus dem unser Monatsspruch entspringt, hat man den Eindruck die Verliebten dort sind wie von Liebe berauscht, betrunken. Da herrscht eine gewisse Maßlosigkeit bei Komplimenten und Liebesbekundungen. „Denn Liebe ist stark wie der Tod.“ passt sehr gut in diesem Zusammenhang. Der Macht des Todes kann sich niemand entziehen. Gegenüber der Liebe bin ich machtlos.

Das alttestamentliche Hohelied wird seit Jahrhunderten als ein Sinnbild der Liebe Gottes zu seinem Volk verstanden - und als Liebe Jesu zu seiner Gemeinde. Wenn man dieser Interpretation folgt und Jesu Liebe darin sieht, bekommt man einen erfrischenden Blick darauf. Jesus fährt voll auf uns ab, seine Gemeinde! Er kann sich dieser Liebe selbst nicht entziehen. Er ist verrückt nach uns, so sehr, dass er sein Leben für uns gibt. Seine Liebe führt ihn in den Tod. „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ – sagt er selbst (Johannes 15,13). Bei Jesus ist der Tod aber keine Endstation.  Jesus ist auferstanden, an Ostern feiern wir jedes Jahr den Sieg über den Tod. Seine Liebe siegt! In diesem Sinne ist Liebe sogar stärker als der Tod.

 

Rut Hilgenberg, Dekanatskirchenmusikerin

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.
 
 

 

(1. Chronik 16,33)



Monatsspruch  Juli 2022 

 


Der liebe Gott sei tot und über viele Jahre hätten wir das Evangelium verharmlost, so schlussfolgert ein evangelischer Theologe in Anbetracht des Krieges und des Leides in der Ukraine in einem Zeitungsartikel. Uns sei die Vorstellung eines richtenden Gottes fremd geworden. Mir zeigen diese Erkenntnis und viele Gespräche: In unserer heutigen Zeit wandelt sich das Gottesbild in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft. Durch die Ukraine-Krise nehmen wir wieder wahr: Es gibt das Böse. Und dieses verlangt eine Antwort.

Schaue ich in die Bibel, ist der Gedanke eines richtenden Gottes keineswegs unbekannt. Auch der Monatsspruch für den August zeigt uns diese Seite Gottes. Der HERR kommt, um zu richten. Darüber dürfen wir uns freuen. Um in dieses Jauchzen einzustimmen, muss ich allerdings zunächst meine Vorstellungen vom „lieben Gott“ beerdigen: Es gibt keinen harmlosen Kuschelgott. Es gibt keinen Gott, der aussieht wie ein alter Mann mit Rauschebart. Und Jesus ist auch kein verträumter Typ im Stile der Romantik. Wir glauben an einen Gott, der die Erde richtet. Darüber dürfen wir uns freuen! Denn das Böse behält nicht das letzte Wort! Wie tröstlich! Gott sieht das Böse, das in der Ukraine, aber auch in der Kirche und in aller Welt geschieht, und wird als gerechter Richter Gutes wie auch Böses vergelten. Diese Botschaft richtet mich auf und lässt mich mitjubeln mit der Schöpfung.

 

Felix Heinz, ab 15. 8. Pfarrer in Holzhausen und Herzhausen