Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.


 
 

 

(Sirach 1,10)



Monatsspruch  

September 2022

Nun haben wir uns nach all den Monaten mit dem eigenartigen Virus schon fast an diesen dauernden Ausnahmezustand gewöhnt: Nach der Welle ist vor der Welle. 

Wenn man dann etwa an den Krieg in der Ukraine denkt mit all seinen Auswirkungen, verstärkt sich der Eindruck, dass wir angesichts bestimmter Herausforderungen als Menschen mit unserer Weisheit am Ende sind.

Diese Welt mit ihren vielfältigen Herausforderungen wird immer komplexer. Da braucht es immer wieder viel Weisheit, nicht nur in Gesellschaft und Politik, sondern auch im privaten Leben. Wir sehnen uns nach Weisheit, um angemessen mit all den Problemen unserer Zeit um zu gehen. Und zugleich spüren wir, dass es ganz schön anstrengend wird.

Unser Bibelvers für den Monat September verlockt uns zu einer besonderen Form von Weisheit. Das Faszinierende dabei ist: Hier geht es weder besonders angestrengt noch kräftezehrend zu. Im Gegenteil – diese Weisheit, sie zieht auch Kreise bis hinein in unseren Alltag. 

„Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.“

Eine Liebesbeziehung zu Gott? Wie soll das denn funktionieren? Jesus selbst zeigt uns den Schlüssel zu einer solchen Beziehung. Wir müssen diese Liebe nicht produzieren, sondern weil Gott selbst die Quelle aller Liebe ist, dürfen wir daraus schöpfen. Christlicher Glaube lebt aus diesem Geheimnis: Lasst uns Gott lieben, denn Gott hat uns zuerst geliebt. Und Ihre Kirchgemeinde ist eine Abenteuergemeinschaft auf dem Weg dorthin.

 Timo Garthe, Pfarrer in Buchenau


Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker.          

Offenbarung 15,3

Monatsspruch Oktober 2022

Es heißt: Wir lebten aktuell im „Anthropozän“, im Erdzeitalter des Menschen. Der Mensch habe alles in der Hand. Sein Verhalten entscheide, ob dieser Planet in Zukunft noch bewohnbar bleibt. Es sei fünf vor zwölf! Wir müssten alles tun, damit die Klimaerwärmung gestoppt werden kann und die Erde eine Chance auf Erholung und Rettung hat. Wenn alles den Bach runter geht, dann sei der Mensch schuld. Der Mensch als „Herrscher über die ganze Schöpfung“?

Wir sehen auch: Ein einziger Mensch wirft sich als „König der Völker“ auf, zerstört eine ganze Friedensordnung, die mühsam erstritten wurde mit einschneidenden Folgen, auch für uns. 

Wie können wir da noch Gott als „Herrscher über die Schöpfung“ loben? Als „König der Völker“? 

Doch, wir können! Ja, wir können gar nicht anders. Denn wir sind ja getauft auf den Namen dessen, dem „alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden“. Wir glauben an den, der die Herzen der Menschen bewegt – auch heute, damit sie an diesen Gott glauben, damit sie ihre Mitmenschen und Mitgeschöpfe lieben und damit sie festhalten an der Hoffnung auf Leben und auf Frieden. 

So fällt der Oktober 2022 nicht ins Anthropozän. Es sind 31 Tage in einem Jahr des Herrn, in dem er sich als Herrscher und König erweist und wir ihn zurecht anbeten.

Reiner Braun, Pfarrer in Dautphe

 


Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!


Jesaja 5,20




Monatsspruch November 2022

Wehe denen …“ Jesaja spricht eine Drohung aus, die mich zunächst erschreckt. Denn ich fühle mich ertappt: Ich sage nicht nur Freundliches. Drehe ab und an die Wahrheit ein bisschen so, dass es für mich passt. Sage Negatives über andere, damit ich im besseren Licht dastehe. 

Aber eigentlich will ich das gar nicht. Und Gott will das erst recht nicht. Gott will, dass wir wertschätzend miteinander umgehen, die Wahrheit achten und uns einsetzen für Schwache, Worte finden für diejenigen, die keine Stimme haben. Folgende Erzählung kommt mir in den Sinn: 

Die drei Siebe

 Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: „Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen!“ – „Halte ein!“, unterbrach ihn der Weise, „lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe geht.“ – „Drei Siebe?“, frage der andere voller Verwunderung. „Ja, mein Freund! Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ – „Nun, ich hörte es erzählen und…“ – „So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, wenigstens gut?“ Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil…“ – „Hm…“, unterbrach ihn der Weise, „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so bewegt?"„ – „Notwendig nun gerade nicht…“ „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“ 


Ich nehme mir vor, in Zukunft wieder mehr nachzudenken über die Worte, die ich ausspreche. Lassen sie Gutes entstehen, dienen sie dem Gegenüber? Sind es Worte der Wahrheit und der Güte? An Gottes Wort möchte ich mich halten, an seinen Weisungen orientieren und mich besinnen, bevor ich rede. 

 

Kerstin Griesing, Gemeindepädagogin in unserem Nachbarschaftsraum "Evangelisch in Dautphetal"